{"id":5,"date":"2007-10-31T01:44:42","date_gmt":"2007-10-31T00:44:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psych-pv.de\/?p=5"},"modified":"2007-10-31T02:17:16","modified_gmt":"2007-10-31T01:17:16","slug":"gelder-fur-psychisch-kranke-fremdverwendet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.psych-pv.de\/?p=5","title":{"rendered":"Gelder f\u00fcr psychisch Kranke fremdverwendet"},"content":{"rendered":"<p>Die Personalausstattung nach der Psych-PV wird in den psychiatrisch-psychotherapeutischen Kliniken in der Bundesrepublik nur zu etwa 90% erf\u00fcllt. Das hat die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums durchgef\u00fchrte bundesweite <a href=\"http:\/\/www.apk-ev.de\/public\/projekte.asp?pid=3\" target=\"_blank\">Umfrage zur Evaluation der Psych-PV durch die Aktion Psychisch Kranke<\/a> ergeben; dass die Personalstellen gem\u00e4\u00df Psych-PV in bedrohlicher Weise unterfinanziert sind. Die Kliniken k\u00f6nnen die notwendige Personalausstattung nicht mehr vorhalten.<\/p>\n<p>Den psychisch kranken Menschen werden dadurch bezogen auf das Jahr 2004 etwa 260.000.000 \u20ac vorenthalten. Bei betriebswirtschaftlichen Betrachtung k\u00f6nnte herausgefunden werden, dass die Bundesdeutsche Psychiatrie und Psychotherapie der Regelversorgung mit etwa 1 Milliarde EURO\/Jahr die anderen Bereiche des Gesundheitswesens quersubvetioniert \u2013 d.h. auf Kosten von psychisch kranken Menschen. Ein Umstand der weder tragbar noch f\u00fcr eine humane Gesellschaft mit sozialen Anspruch verst\u00e4ndlich ist.<!--more--><\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr die allgemeine Absenkung der Personalausstattung ist eine seit \u00fcber 10 Jahren g\u00fcltige Regelung der <em>Bundespflegesatzverordnung<\/em> (BPflV \u00a7 6 Abs.2). Sie hat bewirkt, da\u00df die in den j\u00e4hrlichen Budgetverhandlungen der Krankenh\u00e4user maximal erreichbaren Budgetzuw\u00e4chse seit Jahren <em>regelm\u00e4\u00dfig<\/em> bedeutend unter den tariflich bedingten Personalkostensteigerungen geblieben sind. In einem Teil der Kliniken bestehen mittlerweile z.T. erhebliche Personalengp\u00e4sse, wie man sie aus der Zeit vor Einf\u00fchrung der Psych-PV kennt. Die psychiatrisch-psychotherapeutischen Kliniken hat infolge des sehr hohen Personalkostenanteils (ca. 80%) die \u201eBAT-Schere\u201c st\u00e4rker betroffen als die somatischen (hier Personalkostenanteil ca. 65%). Auf diese Weise ist das Gebot der Gleichbehandlung psychisch und somatisch Kranker de facto unterlaufen worden.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich hat eine ausgepr\u00e4gte <em>Leistungsverdichtung<\/em> in den psychiatrisch-psychotherapeutischen Kliniken seit Einf\u00fchrung der Psych-PV stattgefunden. Im Zeitraum 1991\u20132004 stiegen die Fallzahlen erheblich; die Verweildauern, die Pflegetage und die aufgestellten Betten gingen deutlich zur\u00fcck. Es kamen zeitintensive Pflichtaufgaben ohne Gegenfinanzierung hinzu (Qualit\u00e4tssicherung, Dokumentation, erweiterte Weiterbildungsanforderungen).<\/p>\n<p>In den psychiatrisch-psychotherapeutischen Kliniken ist die <em>Zeit des therapeutischen Personals <\/em>f\u00fcr Patienten (und Angeh\u00f6rige) das entscheidende Kriterium der Strukturqualit\u00e4t. Sie kann nicht beliebig verk\u00fcrzt, komprimiert oder beschleunigt werden. Trotz erfolgter zum Qualit\u00e4tserhalt beizutragen haben. Die erfolgten energischen Anstrengungen zur Prozessoptimierung k\u00f6nnen nicht mehr die Folgen der inzwischen eingetretenen Personalabsenkung ausgleichen, so dass es unweigerlich zu einer Verschlechterung der Prozessqualit\u00e4t gekommen ist:<\/p>\n<p>&#8211; es besteht keine ausreichende Zeit (Strukturqualit\u00e4t) zu den erforderlichen Kontakten mit Patienten<\/p>\n<p>&#8211; zus\u00e4tzlich hat sich die Menge der zu behandelnden Patienten zwischen 1991-2004 um 80% erh\u00f6ht<\/p>\n<p>&#8211; gleichzeitig ist der administrative (patientenferner) Aufwand durch zus\u00e4tzliche Dokumentationsanforderungen und durch Zunahme an Anfragen\/\u00dcberpr\u00fcfungen seitens der Kostentr\u00e4ger und der MDKs im gleichen Zeitraum um mindestens 30% gewachsen<\/p>\n<p>&#8211; durch Ver\u00e4nderungen der Ausbildungsordnungen beim therapeutischen Personal (Psych-PV-Berufsgruppen) und die positive wissenschaftliche Weiterentwicklung sind die Erfordernisse an Aus- und Weiterbildung erheblich gestiegen, k\u00f6nnen aber mangels ausreichenden Zahl des therapeutischen Personal nicht \u201enebenher\u201c vermittelt und in therapeutische Alltagsstrategien etabliert werden<\/p>\n<p>&#8211; die Summe der Verknappungen f\u00fchrt zu Reduzierung von Ausbildung, Psychoedukation und Kooperation (in den Gemeindepsychiatrischen Verb\u00fcnden)<\/p>\n<p>&#8211; als Ergebnis ist in einem k\u00fcnstlich (durch Budgets) geschaffenen knappen Zeitkontingent (Strukturqualit\u00e4t) eine erhebliche Abnahme der im Behandlungsplan erzielten Effekte (Prozessqualit\u00e4t) zu beklagen und die R\u00fcckkehr zu vermehrten Verordnung von Psychopharmaka zur Ruhigstellung (anstelle Personalbetreuung) festzustellen<\/p>\n<p>&#8211; durch diese nicht mehr ausreichende Ressourcen werden wieder vermehrt chronisch psychisch kranke Menschen \u201eproduziert\u201c (siehe Zunahme der Berentungen bei psychisch kranken Menschen) und die R\u00fcckkehr zu den inhumanen Zust\u00e4nden aus der Zeit der Psychiatrie-Enquete von 1975 in Kauf genommen<\/p>\n<p>Diese besorgniserregende Entwicklung ist eingetreten, obwohl die <em>volkswirtschaftliche Bedeutung psychischer Erkrankungen <\/em>betr\u00e4chtlich zugenommen hat, wie an der steigenden Zahl von Arbeitsunf\u00e4higkeitstagen und Fr\u00fchberentungen aus psychischen Gr\u00fcnden erkennbar ist. In nicht weiter Ferne (nach UNO 2012-2020) werden einige der psychiatrischen Diagnosen weltweit ihre Positionen unter den TOP 10 der Diagnosenstatistik einnehmen und stabilisieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Personalausstattung nach der Psych-PV wird in den psychiatrisch-psychotherapeutischen Kliniken in der Bundesrepublik nur zu etwa 90% erf\u00fcllt. 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