{"id":20,"date":"2009-10-16T20:11:17","date_gmt":"2009-10-16T19:11:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psych-pv.de\/?p=20"},"modified":"2020-01-26T14:25:39","modified_gmt":"2020-01-26T13:25:39","slug":"ausgrenzung-durch-erhebungsbogen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.psych-pv.de\/?p=20","title":{"rendered":"Ausgrenzung durch Erhebungsbogen"},"content":{"rendered":"<p>Der Strukturerhebungsbogen des InEK, so wie er Anfang September 2009 an einige H\u00e4user versendet worden sei, ist ja grauenvoll. Was sich die Schreibtischt\u00e4ter wieder zur Knechtung der Psychiatrie ausdenken. Anstatt die Psych-PV und deren Finanzierung an die erschwerten Bedingungen der Gegenwart und die Erwartung in der Zukunft anzupassen, werden wieder Fragen gestellt, hinter denen eindeutig eine Reduzierungsabsicht von Leistungserstattungen oder Fortsetzung der Subventionierung der Somatik durch die Krankenhauspsychiatrie steht. Wenn man danach fragt, wie viele Patienten aus der PIA in die vollstation\u00e4re Behandlung eingeliefert wurden, dann will man nur wissen, wann und vor allem im welchen Umfang sich die PIA zur Kostenreduktion nicht ausgezahlt hat. Die Tatsache, dass wir bei einer Erkrankungssteigerung pro Jahr um 0,5% mit ganz anderen Problemen zu k\u00e4mpfen haben und haben werden, scheint niemanden national\u00f6konomisch zu interessieren.<!--more--> Sobald es interessieren w\u00fcrde, m\u00fcssten sich auch Politiker der Realit\u00e4t stellen. Im Moment haben wohl alle vor, die Realit\u00e4t umzudefinieren und passend zu machen \u2013 d.h. Illusionen zu produzieren, die keine \u00f6konomische Verbesserung f\u00fcr die Allgemeinheit bringen, sondern eine Verschlechterung der gesundheitsf\u00f6rderlichen Bedingungen.  Die Pat. vertrauen uns noch, aber wie lange. Wenn wir solche patientenfernen Fragebogen ausf\u00fcllen, dann verspielen wir das Vertrauen der Patienten, weil die und deren Probleme gar nicht abgebildet werden. Ich glaube, dass die Menschen in der Psychiatrie nicht genauso diskriminiert und kalt behandelt werden wollen, wie bereits in der somatischen DRG-Medizin \u00fcblich.<br \/>\nDie Zielfrage des n\u00e4chsten Wachstumszyklus ist nicht, wie k\u00f6nnen Budgets noch krankenhausferner rationalisiert werden, sondern ob die psychosoziale Gesundheit einer der tragenden Basisinnovationen f\u00fcr den n\u00e4chsten Wachstumszyklus sein wird, wie bei dem jetzt auslaufenden Zyklus es die IT gewesen ist.<br \/>\nDas was mir eben Sorgen macht ist die Tatsache der Schizophrenie von solchen Planungen und Untersuchungen. Sie ber\u00fccksichtigen keine Realit\u00e4t, keine Vorbereitung einer neue Realit\u00e4t, sondern nur, wie  gespart werden kann \u2013 die Frage, wie kann auch national \u00f6konomisch durch Gesundheit verdient werden, wird \u00fcberhaupt nicht gestellt. Es ist aber die entscheidende Frage: Wie k\u00f6nnen Patienten und die Besch\u00e4ftigten in der Psychiatrie und Psychotherapie von ihren Strategien profitieren.<br \/>\nVon den Strategien des InEK sicher nicht. Die Betr\u00e4ge, die aus den \u00dcbersch\u00fcssen der Psychiatrie-Abteilungen in den Allgemeinkrankenh\u00e4usern zur St\u00fctzung der defizit\u00e4ren somatischen Medizin benutzt werden, sollen offensichtlich nicht zur Verbesserung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Arbeit f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung des Einzugsgebietes verwendet werden, sondern von vorneherein im Krankenhaus gar nicht ankommen.<br \/>\nUnser Ziel muss es sein, dass das Auslaufmodell der Fallpauschale der DRGs nicht auch noch kurz vor der n\u00e4chsten Gesundheitsreform mal eben schnell  in der Psychiatrie f\u00fcr einen Halbierungserlass der Sp\u00e4tmoderne sorgen soll.<br \/>\nWas wir brauchen, sind realistische, das Leben abbildende Kostenberechnungen der Gesundheit und nicht der Krankheit. Krankheit l\u00e4sst sich beliebig verbilligen, wenn Gesundheit nicht interessiert. Nicht die Krankheit, sondern die Gesundheit ist der Wachstumsmarkt. Mit kranken Menschen l\u00e4sst sich kein Wachstum produzieren. D.h.  angesichts des demographischen Problems werden wir auf die bisher praktizierte Art immer weniger produktiv leistende Menschen haben. Wir haben bei den bisherigen Systemver\u00e4nderungen immer mehr kranke Menschen kennengelernt. Die psychischen Krankheiten werden sp\u00e4testens 2020 die TOP 10 Diagnosen der WHO anf\u00fchren, noch vor den Kreislauferkrankungen und verursachen erhebliche \u00f6konomische Probleme, national \u00f6konomische Kosten. Es ist also nicht die Frage: was kostet eine Schizophrenie-Behandlung usw., sondern wie k\u00f6nnen die gigantischen Kosten der psychischen Erkrankungen in der Rechnung des Bruttosozialprodukts vermindert werden. Ganz sicher nicht mit weniger Fachpersonal und K\u00fcrzung von Ressourcen.<br \/>\nNoch ein Paradox ist im Zuge der Pauschalierung in der somatischen Medizin zus\u00e4tzlich deutlich geworden: Die Psychiatrie ist mittlerweile das einzige medizinische Fachgebiet, in dem eine komplette Anamnese erhoben wird. Eine Basisuntersuchung, die alleine meistens zu den richtigen Fragen nach weiteren diagnostischen Wegen f\u00fchrt. Ich beobachte, dass es zunehmend f\u00fcr die Einweiser interessant wird, Patienten in die Psychiatrie weiter zu leiten, weil diese dort umfassend untersucht und differentialdiagnostisch betrachtet werden. Anschlie\u00dfende Verlegungen aus der Psychiatrie in die jeweils dann zust\u00e4ndige Fachabteilung sind keine Seltenheit. Diese Umfassende Untersuchung ist im Moment wohl das Hauptproblem: die Politiker wollen nicht, dass die Psychiatrie das wird, was sie bereits real ist \u2013 ein leitendes medizinisches Fach. Die Realit\u00e4t ist aber so, ob es die Politiker wollen oder nicht. F\u00fcr uns kommt es dabei an, dass wir es uns  klar machen, um welchen Anteil diese umfassende Betreuung der Patienten in der Psychiatrie das ganze psychisch, mental, k\u00f6rperlich und finanziell anstrengend machen.<\/p>\n<p>Und. Wir m\u00fcssen uns nicht bem\u00fchen, Burnout-Syndrome auch noch helfen zu produzieren. Oder ist es beabsichtigt, dass wir irgendwann Mal f\u00fcr die Regierung wieder Patienten nach psychisch krank und gesund selektieren sollen? Unheimlich. Zur Selektion braucht es keinen Hitler-Regime, es reicht schon, wenn psychisch kranke Menschen planm\u00e4\u00dfig in Hilflosigkeit der Stra\u00dfe oder obskuren Heimen \u00fcberlassen werden. Es ist also aller h\u00f6chste Vorsicht angebracht, ob wir uns an dieser modernen Art der Ausgrenzung von psychisch kranken Menschen beteiligen. Auch die moderne demokratische Gesellschaft, gerade die mit ihrem neuen Machstreben nach Effizienz kann zu gleichen Folgen f\u00fchren wie die uns\u00e4gliche Euthanasie &#8211; nebenbei, ungewollt und am Ende ist es einfach geschehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Strukturerhebungsbogen des InEK, so wie er Anfang September 2009 an einige H\u00e4user versendet worden sei, ist ja grauenvoll. Was sich die Schreibtischt\u00e4ter wieder zur Knechtung der Psychiatrie ausdenken. 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